Exnovation: Wann ist es Zeit loszulassen?

Exnovation erfordert Mut und klare Entscheidungen. Doch oft kann das Beenden eines Produkts oder Prozesses der notwendige Schritt sein, um Raum für Neues zu schaffen und das Unternehmen zukunftsfähig zu machen.

Um zu beurteilen, ob ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Prozess im organisationalen Kontext zur Abschaffung ansteht, ist eine mehrdimensionale Betrachtung erforderlich. Die verschiedenen Aspekte reichen von Effektivitätsfragen über wirtschaftliche und rechtliche Überlegungen bis hin zu ethischen und zukunftsorientierten Dimensionen. Eine systematische Prüfung dieser Aspekte hilft, informierte Entscheidungen zu treffen und den richtigen Zeitpunkt für eine mögliche Exnovation zu erkennen.

Entscheidungshilfe: Die Exnovations-Checkliste

Aspekt

Schlüsselfrage

Effektivität

Hat das Objekt seinen ursprünglichen Zweck verloren?

Strategie

Blockiert es wichtigere Entwicklungen oder Ressourcen?

Schädlichkeit

Schadet es Umwelt, Gesundheit oder birgt es Risiken?

Wirtschaftlichkeit

Ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis noch vertretbar?

Regulatorik

Steht es im Konflikt mit aktuellen oder kommenden Gesetzen?

Ethik

Verursacht es soziale Probleme? Gibt es ethische Bedenken?

Ressourcen

Sind notwendige Materialien oder Fachkräfte noch verfügbar?

Sicherheit

Bestehen Risiken für Mensch und Umwelt?

Markt

Verändern sich Kundenbedürfnisse oder droht Obsoleszenz?

Lebenszyklus

Basiert es auf veraltender oder veralteter Technologie?

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Die Faustregel lautet: Je mehr Problembereiche in der Checkliste identifiziert werden, desto "unrettbarer" ist das Exnovationsobjekt. Besonders kritisch wird es, wenn es:

  1. Mehr schadet als nützt
  2. Nicht mehr mit der zukünftigen Strategie vereinbar ist
  3. Ressourcen bindet, die für strategisch wichtigere Projekte benötigt werden

Alternativen zur Exnovation

Nicht immer ist die vollständige Abschaffung notwendig. Je nach Situation können auch andere Strategien sinnvoll sein:

  • Verändern: Anpassung des Bestehenden
  • Erneuern: Grundlegende Modernisierung
  • Ausdehnen: Erweiterung des Anwendungsbereichs
  • Ersetzen: Austausch durch eine bessere Alternative
  • Neugestalten: Komplette Neukonzeption

Exnovation fungiert als strategisches Steuerungsinstrument, das durch gezieltes Ausphasen oder transformative Alternativen wie Modernisierung, Ressourcenumwidmung oder adaptive Weiterentwicklung nachhaltige Anpassung ermöglicht.

Die multiperspektivische Checkliste dient nicht nur zur Exit-Identifikation, sondern auch zur Ableitung alternativer Lösungen – vom Optimieren bis zum kompletten Replacements.

(vgl. Bils, S. & Töpfer, G. (2024). Innovation & Exnovation, Synergien von Ende und Anfang (1. Aufl.). Nomos. https://doi.org/10.34156/978-3-7910-6150-4 - Kapitel 5.4: S. 163-164)

Mehr zum Fokusthema: Interview mit Fränzi Kühne (edding GmbH) zur Einstellung eines Produkts

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